Cybersicherheit im Krankenhaus Krisensimulation

Cybersicherheit im Krankenhaus: Realistische Krisensimulationen für mehr IT-Sicherheit

Cybersicherheit im Krankenhaus: Realistische Krisensimulationen für mehr IT-Sicherheit

Die Cybersicherheit im Krankenhaus wird immer wichtiger: Cyberangriffe können Behandlungen verzögern, kritische Systeme lahmlegen und im schlimmsten Fall Menschenleben gefährden. Gleichzeitig steigen die gesetzlichen Anforderungen an die IT-Sicherheit im Krankenhaus – etwa durch KRITIS-Vorgaben oder die NIS2-Richtlinie. Das Fraunhofer Lernlabor Cybersicherheit zeigt, wie Kliniken ihre Resilienz gezielt stärken können: mit realitätsnahen Krisensimulationen, die Notfallmanagement und Reaktionsfähigkeit im Ernstfall testen.

Cyberangriffe auf Krankenhäuser: eine wachsende Bedrohung

Cyberangriffe auf Krankenhäuser nehmen weltweit deutlich zu – unabhängig von Größe oder Standort der Einrichtung. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind Einrichtungen wie Kliniken zunehmend Ziel von Ransomware und anderen Cyberattacken. Ein Beispiel: 2020 legte ein Hackerangriff die Uniklinik Düsseldorf lahm. Die Notaufnahme musste zeitweise schließen, Patient*innen wurden verlegt, dringende Behandlungen verzögerten sich erheblich.

Das zeigt: Eine stabile Cybersicherheit im Krankenhaus ist keine reine IT-Frage, sondern ein zentraler Bestandteil der Patientensicherheit. Ein IT-Ausfall kann sich direkt auf Diagnostik, Operationen und Medizingeräte auswirken. Kliniken sind daher durch gesetzliche Vorgaben wie NIS2 zu strengen IT-Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet. Ob diese jedoch tatsächlich im Ernstfall greifen, zeigt erst der Praxistest. Warum sich realitätsnahe Krisensimulationen dafür am besten eignen und warum für wirkungsvolle IT-Sicherheit Teamwork auf allen Ebenen gefragt ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

1. Gesetzliche Rahmenbedingungen: Cybersicherheit im Krankenhaus ist Pflicht

Die Anforderungen an die Cybersicherheit im Krankenhaus sind heute klar geregelt und verpflichtend. Diese Regelungen sind nicht nur formal, sondern direkt auf die Sicherheit der Patient*innen ausgerichtet.

KRITIS und §75c SGB V

Krankenhäuser mit mehr als 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr gelten in Deutschland als kritische Anlagen (KRITIS). Sie unterliegen strengen Pflichten:

  • Einrichtung eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS)
  • Meldung von Sicherheitsvorfällen an das BSI
  • Regelmäßige Risiko- und Schwachstellenanalysen
  • Pflicht zum Nachweis des Stands der Technik, was zudem auditiert wird

Nach §8a BSIG (BSI-Gesetz) sind KRITIS-Betreiber verpflichtet, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) alle drei Jahre die Umsetzung von IT-Sicherheitsmaßnahmen nachzuweisen. Die Überprüfung erfolgt in der Regel auf Basis eines branchenspezifischen Sicherheitsstandards, wie dem B3S Krankenhaus, der von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) bereitgestellt wird und als anerkannter „Stand der Technik“ im Sinne der Gesetzgebung gilt.

Kleinere Kliniken, die nicht als KRITIS gelten, sind nach §75c SGB V ebenfalls verpflichtet, angemessene Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, jedoch in einem Umfang, der ihrer Größe und ihrem Risiko entspricht.

NIS2: Neue Anforderungen für Kliniken

Die NIS2-Richtlinie ist ein EU-weites Cybersicherheitsgesetz, das seit Ende 2023 in Kraft ist und durch das NIS2UmsuCG im Dezember 2025 in deutsches Recht umgesetzt wurde. Mit der Einführung sind die Anforderungen an die IT-Sicherheit für viele Krankenhäuser gestiegen: Auch kleinere Einrichtungen müssen nun Sicherheitsanforderungen erfüllen, wenn sie „wesentliche Dienste“ bereitstellen (z.B. Notfallversorgung oder bestimmte spezialisierte Dienste). Damit sind sie verpflichtet, u.a. Sicherheitsvorfälle zu melden, präventive Maßnahmen zur Risikominimierung zu implementieren sowie Sicherheitsanforderungen regelmäßig zu überprüfen.

2. Notfallmanagement im Krankenhaus: Funktionieren die Pläne im Ernstfall?

Was aber tun im Fall einer Cyberattacke? Kliniken sind dazu verpflichtet, Notfall- und Krisenpläne bereitzuhalten. Doch ob diese tatsächlich funktionieren, lässt sich nur mit praxisnahen Tests feststellen. Ansonsten besteht das Risiko, dass das Notfallmanagement unzureichend ist oder Pläne nicht richtig umgesetzt werden – denn Entscheider stehen im Ernstfall unter hohem Druck. Ein Cyberangriff ist kein reines IT-Problem, sondern eine Organisationskrise:

Betroffene Bereiche reichen von der Patientenaufnahme, Diagnostik und Medizingeräte, über die interne Kommunikation und Managementkoordination bis hin zu Stakeholdern und Rettungsdiensten. Gleichzeitig steigt die Belastung für andere Krankenhäuser und Praxen, wenn Patient*innen umgeleitet werden müssen.

Eine praxisnahe Simulation im Rahmen einer Schulung hilft, Schwachstellen vorab zu erkennen und zu beseitigen. Krankenhäuser können damit zudem belegen, dass ihre Sicherheitspläne funktionieren und eingehalten werden, und vermeiden so eventuelle Haftungsansprüche.

3. Krisensimulationen: Cybersicherheit im Krankenhaus praxisnah testen

Cybersicherheit im Krankenhaus Krisensimulation
Cyberangriff im Krankenhaus: Planspiel zur Stärkung von Resilienz und Notfallmanagement

Hier setzt das Fraunhofer Lernlabor Cybersicherheit (LLCS) an mit einem speziellen Inhouse-Weiterbildungsformat an, das Expert:innen des Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT durchführen.

In einer Krisensimulation erleben Teilnehmende realistisch die Auswirkungen einer Cyber-Attacke auf ihre Krankenhaus-Infrastruktur. Sie üben, ihre Notfallprozesse zu aktivieren und schnell auf die Bedrohung zu reagieren, um ihre Reaktionsfähigkeit und Cyber-Resilienz zu stärken.

  • Simulation eines fiktiven Cyberangriffs: Typische Angriffsmuster und betriebliche Abläufe werden praxisnah abgebildet, bestehende Notfallprozesse auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft und organisatorische Schwachstellen identifiziert.
  • Echte Verbindungs- und Übersetzungsleistungen zwischen den Stäben: Alle Rollen im Krankenhaus sind involviert – von der IT bis zum Management. IT-Spezialisten und Führungskräfte müssen gemeinsam den Incident managen und Entscheidungen unter Druck treffen.
  • Realistische Ausgangssituationen: Zusätzliche Ereignisse werden eingespielt, wie bei einem echten Angriff
  • Vor der Simulation stimmt ein Assessment die Übung passgenau auf die individuellen Risiken ab. Für jede Organisation lassen sich so typische Herausforderungen bei Cybervorfällen systematisch analysieren.

Im Rahmen der Nachbesprechung können Teilnehmende Schwachpunkte ihrer Notfall-Prozesse identifizieren, wichtige Rollen definieren, kritische Entscheidungspunkte identifizieren und aus den Erfahrungen zusätzliche Bedarfe ableiten. Die Fraunhofer-Expert:innen unterstützen dabei, konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, wobei auch die Einhaltung der NIS-2-Vorgaben berücksichtig wird.

Erfahren Sie hier mehr über die Krisensimulation zur Stärkung von Resilienz und Notfallmanagement in Krankenhäusern.

IT-Schutz für Patientensicherheit – jetzt handeln

In Krankenhäusern entscheidet IT-Sicherheit über Menschenleben. Gesetzliche Vorgaben wie die KRITIS-Richtlinien und die NIS2-Verordnung machen deutlich, dass Kliniken ihre Cyber-Resilienz systematisch schützen müssen. Pläne für das Notfallmanagement sind zwar vorhanden, aber ohne praxisnahe Tests bleibt ihre Wirksamkeit unklar. In realitätsnahen Krisensimulationen, wie die des Fraunhofer Lernlabors Cybersicherheit, können Krankenhäuser aktiv prüfen, wie sicher ihre Einrichtung wirklich ist, denn jeder Schritt in Richtung Schutz ist ein Schritt hin zu mehr Patientensicherheit.

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Über das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

Das Fraunhofer SIT zählt zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen für Cybersicherheit und Datenschutz. Mit 276 Mitarbeitenden (Stand: November 2025) arbeitet das Institut an praxisnaher Spitzenforschung, entwickelt neue Technologien und Lösungen für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft und unterstützt Partner beim Schutz von IT-Infrastrukturen, der Entwicklung neuer Produkte sowie bei IT-Sicherheitsfragen und Standardisierung. Zahlreiche Auszeichnungen unterstreichen die hohe Qualität der Arbeit.

Über die Autoren

Nico Brüggemann ist seit April 2024 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in der Abteilung „Applied Cryptography and Medical IT-Security“ tätig und fungiert als Trainer im Lernlabor Cybersicherheit. Zuvor sammelte er über 14 Jahre Erfahrung am Universitätsklinikum Münster, wo er sich auf IT-Sicherheit und IT-Architektur spezialisiert hat.

Dr. Markus Willing ist seit Anfang 2024 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in der Abteilung „Applied Cryptography and Medical IT-Security“ tätig und agiert als Trainer im Lernlabor Cybersicherheit. Parallel dazu übernimmt er die Rolle des Informationssicherheitsbeauftragten (ISB) am Universitätsklinikum OWL Standort EvKB und Mara der Universität Bielefeld, Standort Evangelisches Klinikum Bethel. Er ist spezialisiert auf Betriebskontinuität und die IT-Sicherheit vernetzter Medizinprodukte.

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