Weiterbildung zu Softwarearchitektur – eine Chance während Corona?

Aktuell überlegen viele Unternehmen ganz gezielt, wie sie sich besser für die Zeit nach der Corona-Krise aufstellen können. In Verbesserungen der eigenen Softwarearchitektur zu investieren, birgt viel Potential. Denn Softwarearchitekturen sind der entscheidende Faktor, um bei der Entwicklung und Evolution von Softwaresystemen erfolgreich zu sein. Lena Kurtz von der Fraunhofer Academy konnte dazu Dominik Rost und Matthias Naab vom Fraunhofer IESE interviewen.


Lena Kurtz: Herr Rost und Herr Naab, Ihr Seminar wird vor allem von Softwarearchitekt*innen, Softwareentwickler*innen, aber auch von Projektleiter*innen und Qualitätsmanager*innen besucht. Welche entscheidenden Kompetenzen erwerben die Teilnehmenden in Ihrem Seminar? Und warum sind diese gerade jetzt in der Corona-Krise so relevant?

Matthias Naab: Das Wichtigste, was wir unseren Teilnehmer*innen vermitteln wollen, ist ein Verständnis für das “Big Picture” von Softwarearchitektur. Damit meinen wir, dass die Teilnehmer*innen einen Blick für die Wichtigkeit von Softwarearchitektur bekommen und alle Aktivitäten von Anforderungen bis zur technischen Realisierung entsprechend einordnen können.
Unsere Teilnehmer*innen lernen den Einfluss von Anforderungen auf die Architektur kennen und welche Anforderungen die zentralen sind, sie lernen, Architekturen zu definieren und zu dokumentieren. Außerdem lernen sie mit Hilfe von Architekturbewertungen eine fundierte Basis für wichtige Entscheidungen im Unternehmen zu erarbeiten und langfristig eine hohe Qualität ihrer Architektur sicherzustellen. Damit lassen sich dann auch Hypes und technologische Trends viel besser einschätzen und auf ihre Essenz reduzieren.
Dominik Rost: Wir bieten eine integrierte Methode für Softwarearchitektur an, die sich vieler Best Practices bedient und für jeden Unternehmenskontext leicht anpassbar ist. Die Kompetenzen, die wir damit vermitteln, sind während der Corona-Krise genauso wichtig wie auch sonst immer. Weil viele Unternehmen aber aktuell überlegen, wie sie gestärkt aus der Krise zurückkommen können, ist eine Investition in die Qualität der eigenen Softwarearchitektur und der dafür notwendigen Kompetenz sicherlich eine sehr gute Idee.

LK: Eine Weiterbildung in Zeiten von Corona durchzuführen ist sicher nicht ganz einfach. Vor allem, wenn man wie Sie viel Wert auf Praxisnähe und Interaktivität legt. Wie können wir uns das bei einer Online-Weiterbildung vorstellen?

Dominik Rost: Die hohe Relevanz für die Praxis ergibt sich zunächst durch das Thema selbst, das alle Unternehmen betrifft, die irgendwie mit Softwareentwicklung zu tun haben. Unser ganzes Seminar orientiert sich an praktischen Fragen und der Beherrschung von Herausforderungen wie Komplexität und Kommunikation. Diese Inhalte bleiben natürlich auch in einer Online-Weiterbildung genauso relevant.

Interaktivität besteht bei uns aus einem hohen Anteil von praktischen Übungen in kleinen Gruppen, sowie aus der Möglichkeit jederzeit Fragen zu stellen und mit uns und anderen Teilnehmer*innen zu interagieren. Diese Arten der Interaktion haben wir für das Online-Format entsprechend angepasst. Wir arbeiten dabei mit Videokonferenz-Werkzeugen, so dass wir uns jederzeit gegenseitig sehen können, haben virtuelle Räume für die Arbeit in Kleingruppen eingerichtet und führen die Übungen gemeinsam an virtuellen Whiteboards durch. Wir sind also insgesamt sehr zuversichtlich, dass wir auch weiterhin viele Diskussionen haben werden und unser Seminar in der virtuellen Umgebung gut klappt.

LK: Sie lassen Ihr Seminar auch laufend evaluieren und haben dabei stets sehr gute Rückmeldungen erhalten. Worauf führen Sie das zurück und was hat Ihren Teilnehmer*innen besonders gut gefallen?

Matthias Naab: Besonders loben die Teilnehmenden immer die Verbindung der starken Praxisrelevanz mit fundierten Grundlagen, sowie die Abwechslung durch die vielfältigen Übungen. Auch die Kompetenz unserer Trainer und die Fähigkeit zur klaren und überzeugenden Darstellung wird von vielen Teilnehmer*innen betont. Besonders wichtig ist es uns aber, von unseren eigenen Erfahrungen zu berichten. Als beratendes Institut erleben wir in unseren Projekten eine Fülle von unterschiedlichen Systemen, Kontexten und Branchen, während unsere Teilnehmenden häufig über Jahre sehr intensiv und in der Tiefe an ihren eigenen Produkten arbeiten. Daraus ergibt sich häufig ein sehr interessanter Erfahrungsaustausch, der unterschiedliche Perspektiven zusammenbringt und den unsere Teilnehmer*innen besonders zu schätzen wissen.

Dominik Rost: Wir freuen uns natürlich immer sehr über das positive Feedback. Gleichzeitig fragen wir aber auch immer nach Verbesserungsmöglichkeiten und lassen dieses in die Überarbeitung des Seminars einfließen. Unser Seminar und das zugehörige Material sind nie fertig, sondern entwickeln sich kontinuierlich weiter.

LK: Wie gelingt den Teilnehmenden der Transfer in die berufliche Praxis?  

Matthias Naab: Ein sehr direkter Anknüpfungspunkt ist, dass die Teilnehmer*innen ihre individuellen Herausforderungen, vor denen Sie in Ihrem Unternehmen und mit Ihrer Software stehen, bei uns im Seminar diskutieren können. Dadurch erhalten sie direkt wertvolle Tipps von uns Trainern, aber auch von den anderen Teilnehmenden.

Darüber hinaus zeigen wir im Seminar auch ganz explizit auf, mit welchen Schritten die Teilnehmer*innen die systematische Architekturarbeit in ihrem Arbeitsalltag verankern können. Hier ist “think big, start small” immer unser Motto. Das bedeutet, in gut verdaulichen Häppchen sukzessive hilfreiche Praktiken zu etablieren und dabei trotzdem das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Das ist eine Strategie, die bei vielen unserer Teilnehmenden gut funktioniert.

Damit der Start leichter fällt, stellen wir die zentralen Inhalte zusätzlich im Poster-Format zum Aufhängen zur Verfügung. Damit kann das Gelernte sich nicht nur im Gedächtnis, sondern auch in der Arbeitsweise direkt verankern.

LK: In den letzten Jahren gab es eine steigende Nachfrage nach Softwarearchitekt*innen. Wie sieht da Ihre Prognose für die kommenden Jahre aus?

Dominik Rost: Insgesamt wird der Stellenwert von Software immer noch wichtiger. Durch immer größere und stärker vernetzte Systeme und Systemlandschaften steigt die Komplexität und damit auch die Bedeutung von Softwarearchitektur weiter an, um langfristig den Überblick zu behalten und Innovation gestalten zu können. Damit sind auch die Jobaussichten für Softwarearchitekt*innen weiterhin bestens!

LK: Herzlichen Dank für das Interview.

 

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