Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP):

Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP)

SUMP – Was Städte und Kommunen jetzt wissen müssen

Anforderungen, Fristen und Umsetzung bis 2027

Klimaschutz, steigende Verkehrsbelastung, Flächenkonkurrenz und knappe Haushaltsmittel treffen auf knappe Ressourcen in Verwaltung und Politik – kommunale Mobilitätsplanung ist keine leichte Aufgabe. Denn die Zukunft der Mobilität wird mittlerweile stärker datenbasiert bewertet, politisch diskutiert und europäisch reguliert.

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Instrument zunehmend an Bedeutung: der Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) – der nachhaltige, urbane Mobilitätsplan. Mit der Revision der der Verordnung für das Transeuropäische Verkehrsnetz (TEN‑T‑Verordnung) entwickelt sich der SUMP von einem empfohlenen Planungsansatz zu einem neuen Standard kommunaler Mobilitätsplanung in Europa.

Warum Sustainable Urban Mobility Plans aktuell stark an Bedeutung gewinnen

Die Europäische Union empfiehlt SUMPS seit vielen Jahren als strategischen Rahmen für nachhaltige Mobilität in Städten und Kommunen in der gesamten EU. Neu ist jedoch die deutlich höhere Verbindlichkeit: Mit dem Inkrafttreten der überarbeiteten TEN‑T‑Verordnung im Jahr 2024 rücken SUMPs in den Mittelpunkt der europäischen Verkehrspolitik.

Für viele Städte bedeutet das: Mobilität muss nicht nur geplant, sondern systematisch gesteuert, überprüft und weiterentwickelt werden – über Verwaltungsgrenzen hinweg und mit messbaren Zielen.

Was ist ein Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP)?

Ein Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) ist ein strategischer, integrierter und langfristiger Planungsrahmen, mit dem Städte und Kommunen ihre Mobilität nachhaltig, effizient und nutzerorientiert ausrichten.

Zentrale Merkmale eines SUMP sind:

  • die Berücksichtigung aller Verkehrsarten (ÖPNV, Fuß‑ und Radverkehr, motorisierter Individualverkehr, Güterverkehr),
  • die Verknüpfung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Ziele,
  • eine frühe und strukturierte Beteiligung von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit,
  • sowie klare Ziele, Indikatoren und ein kontinuierliches Monitoring.

Im Mittelpunkt steht nicht der Verkehr an sich, sondern die Mobilitätsbedürfnisse von Menschen und Unternehmen – heute und in Zukunft.

Der Planungshorizont eines SUMP liegt typischerweise bei 10 bis 15 Jahren.

SUMP Sustainable urban mobility plan
SUMP auf einen Blick

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SUMP vs. klassischer Verkehrsentwicklungsplan 

Viele Kommunen arbeiten bereits mit Verkehrsentwicklungsplänen, Klimaschutz‑ oder Einzelkonzepten (z. B. Radverkehr). Ein SUMP geht darüber hinaus:

  • integriert statt isoliert – alle Verkehrsträger und Akteure werden gemeinsam betrachtet,
  • partizipativ statt top‑down – Beteiligung ist fester Bestandteil des Prozesses,
  • ziel‑ und wirkungsorientiert – mit messbaren Indikatoren und Evaluation,
  • umsetzungsnah statt rein konzeptionell – Maßnahmen müssen finanzierbar und politisch tragfähig sein.

Damit wird der SUMP zum strategischen Steuerungsinstrument, nicht nur zu einem Maßnahmenkatalog.

Wer ist zur Erstellung eines SUMP verpflichtet und ab wann?

Mit der Überarbeitung der TEN-T-Verordnung hat sich die Rolle von SUMPs grundlegend verändert. Für Städte, die als sogenannte „urbane Knoten“ im TEN-T-Netz definiert sind, gilt: Die Erstellung eines SUMP ist verpflichtend! Diese Städte spielen eine zentrale Rolle im europäischen Verkehrsnetz und sollen ihre Mobilität systematisch nachhaltiger ausrichten. Insgesamt liegen 431 der urbanen Knoten entlang des transeuropäischen Verkehrsnetzes.

Für diese Städte gilt:

  • Bis spätestens 2027 muss ein SUMP verabschiedet und überwacht werden.
  • Der SUMP muss die gesamte funktionale urbane Region (Functional Urban Area, FUA) abdecken – also Stadt und Pendlerumland.

Für viele andere Kommunen besteht aktuell keine formale gesetzliche Pflicht zur Erstellung eines SUMP. Dennoch gibt es gute Gründe, warum sich ein SUMP auch hier lohnt – und in vielen Fällen sogar dringend zu empfehlen ist:

  • Mittelstädte und wachsende Gemeinden, die mit steigenden Pendlerzahlen konfrontiert sind
  • Landkreise, die Verkehrsströme koordinieren müssen
  • Kommunen, die:
    • Fördermittel akquirieren wollen
    • Klimaziele erreichen müssen
    • Akzeptanzprobleme bei Verkehrsmaßnahmen erleben
    • ihre Mobilitätsplanung strategisch bündeln möchten

Immer häufiger wird ein integrierter Mobilitätsansatz nach SUMP-Logik implizit vorausgesetzt, etwa bei Förderprogrammen oder in politischen Entscheidungsprozessen. Kurz gesagt: Auch wer keinen SUMP erstellen muss, profitiert oft stark davon!

SUMP vergleich mit klassischen Verkehrsplänen
SUMP besser als klassische Verkehrsentwicklung

Frist 2027: Was die TEN‑T‑Verordnung konkret verlangt

Urbane Knoten im TEN-T-Netz müssen einen SUMP erstellen! Der Plan muss dabei den EU-Leitlinien entsprechen und die Mobilitätsstrategie soll regelmäßig überprüft sowie weiterentwickelt werden. Wichtig ist: Es reicht nicht aus, „ein Papier vorzulegen“.

Die europäische Logik lautet ausdrücklich: SUMP erstellen, verabschieden, monitoren und weiterentwickeln.

Dazu gehört:

  • eine belastbare Datengrundlage,
  • klar definierte Ziele,
  • Indikatoren zur Erfolgsmessung,
  • sowie regelmäßige Überprüfung und Anpassung.

Spätestens hier zeigt sich: Ein SUMP ist kein reines Planungsprojekt, sondern auch ein Organisations‑ und Governance‑Thema.

Urban Mobility Indicators (UMI): Warum Daten und Monitoring zentral werden

Mit der stärkeren Verbindlichkeit der SUMPs rückt auch das Thema Monitoring und Evaluation in den Fokus.
Die EU sieht hierfür Urban Mobility Indicators (UMI) vor – einen Indikatorensatz zu:

  • Nachhaltigkeit,
  • Verkehrssicherheit,
  • Erreichbarkeit und Zugang zu Mobilitätsangeboten.

Diese Indikatoren sollen Fortschritte messbar machen und vergleichbar bewerten.
Für Kommunen bedeutet das konkret:

  • Daten müssen verfügbar, aktuell und verwertbar sein.
  • Zuständigkeiten für Datenerhebung und Berichtswesen müssen geklärt sein.
  • Strategische Ziele müssen überprüfbar formuliert werden.

Typische Herausforderungen bei der Umsetzung von SUMPs

Viele Kommunen beginnen daher bereits jetzt mit der Vorbereitung oder der Anpassung bestehender Konzepte an die SUMP-Methodik. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Das Wissen um SUMPs ist da – die Umsetzung bleibt schwierig. Typische Fragen aus Kommunen sind zum Beispiel:

  • Wo beginnen wir konkret?
  • Welche Daten sind wirklich notwendig?
  • Wie stimmen wir Stadt, Umland und weitere Akteure sinnvoll ab?
  • Wie gestalten wir Beteiligung effizient und akzeptanzfördernd?
  • Wie übersetzen wir strategische Ziele in realistische Maßnahmen?

Zwischen europäischem Rahmen und kommunalem Alltag klafft noch zu oft eine Lücke. Ob ein SUMP zum wirksamen Instrument wird, entscheidet sich genau hier.

SUMP - von der Planung bis zur Umsetzung
Vom SUMP zur Umsetzung

Warum Kompetenzaufbau ein zentraler Erfolgsfaktor ist

Die vorstehenden Ausführungen machen deutlich, welche Anforderungen an Städte und Kommunen im Zusammenhang mit SUMP gestellt werden und welche Herausforderungen mit der Umsetzung einhergehen. Die Entwicklung von klassischen Verkehrskonzepten hin zu SUMP hängt auch maßgeblich von der Umsetzungsfähigkeit in den Kommunen ab. Nachhaltige Mobilitätsstrategien sind mehr als nur von Zielen und Maßnahmen, sie funktionieren nur durch Wissen, Know-how und (Umsetzungs)Kompetenzen der beteiligten Akteurinnen und Akteure.

Besonders gefragt sind:

  • methodische Sicherheit im SUMP‑Prozess,
  • Erfahrung im Umgang mit Daten, Indikatoren und Monitoring,
  • Kenntnisse zu Beteiligung und Kommunikation,
  • sowie die Fähigkeit, Strategien in umsetzbare Maßnahmen zu übersetzen.

Vor diesem Hintergrund setzen viele Kommunen gezielt auf Qualifizierung und Weiterbildung, um den SUMP‑Prozess fachlich abzusichern und nachhaltig zu verankern. Nicht als Zusatzaufgabe, sondern als notwendige Investition in Handlungsfähigkeit. Dabei haben die Kommunen unterschiedliche Bedarfe und eine „Musterlösung“ für alle gibt es nicht.

Das Seminar »Tools für nachhaltige Mobilitätsstrategien« des Fraunhofer ISI wird sowohl als klassisches offenes Präsenzseminar als auch als Inhouse-Schulung angeboten. Eine einzelne Kommune, ein Landkreis, eine Stadt oder mehrere Gemeinden können das Seminar exklusiv für ihre eigenen Mitarbeitenden durchführen lassen und die Inhalte gezielt auf ihre konkrete Ausgangslage zuschneiden

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Fazit: Nachhaltige Mobilitätsplanung braucht Strategie, Daten und Kompetenz

Sustainable Urban Mobility Plans entwickeln sich zum neuen Referenzrahmen kommunaler Mobilitätsplanung in Europa. Die Frist 2027 ist dabei weniger ein Endpunkt als ein Meilenstein in Richtung einer dauerhaft datenbasierten, integrierten Mobilitätssteuerung.

Kommunen, die sich frühzeitig vorbereiten, profitieren von:

  • höherer Planungssicherheit,
  • besseren Förderchancen,
  • mehr Transparenz und Akzeptanz,
  • und klareren Prioritäten bei begrenzten Ressourcen.

Entscheidend ist nicht nur der Plan – sondern die Kompetenz, ihn wirksam umzusetzen und weiterzuentwickeln.


FAQs

Was ist ein Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP)?
Ein SUMP ist ein strategischer, integrierter Mobilitätsplan, der die Mobilitätsbedürfnisse von Menschen und Wirtschaft nachhaltig, datenbasiert und partizipativ steuert.

Für welche Kommunen ist ein SUMP verpflichtend?
Verpflichtend ist ein SUMP für Städte, die als urbane Knoten im TEN‑T‑Netz definiert sind. Für viele weitere Kommunen steigt die indirekte Relevanz.

Was bedeutet die Frist 2027 konkret?
Bis 2027 sollen betroffene Städte einen SUMP verabschieden und dessen Umsetzung systematisch überwachen.

Welche Rolle spielen Daten und Indikatoren?
Urban Mobility Indicators ermöglichen es, Fortschritte zu messen und Mobilitätsstrategien gezielt weiterzuentwickeln.

Warum spielt Weiterbildung eine Rolle bei SUMPs?
Weil nachhaltige Mobilitätsplanung methodische, organisatorische und strategische Kompetenzen erfordert, die über klassische Verkehrsplanung hinausgehen.

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